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Sensibilisierung ist zunächst eine super Schutzreaktion des Körpers nach Verletzungen, die uns zur Schonung zwingt und Heilung ermöglicht. Das Problem entsteht, wenn dieser Alarm zum Dauerzustand wird und das Nervensystem auch bei harmlosen Reizen überreagiert, obwohl die ursprüngliche Gefahr längst vorbei ist...
Training funktioniert bei chronischen Schmerzen – aber nicht durch biomechanische Reparatur, sondern durch neurobiologische Desensibilisierung, Angstreduktion und Vertrauensaufbau. Warum wir aufhören müssen, Gewebe zu trainieren, und anfangen sollten, das Nervensystem zu verändern.
Der therapeutische Fortbildungsmarkt hat sich zu einem Schlachtfeld konkurrierender Konzepte entwickelt – ein Markt, der zu fragmentiertem Wissenstransfer und widersprüchlichen Patientenbotschaften führt, bei denen Marketing statt Qualität entscheidet.
Edukation gilt als Grundpfeiler evidenzbasierter Schmerztherapie. Doch zwischen gut gemeinten Erklärungen über Schmerzphysiologie und biopsychosoziale Zusammenhänge verlieren wir oft den entscheidenden Fokus: Nicht das WAS der Edukation entscheidet über ihren Erfolg, sondern das WIE, WANN und WARUM.
Wir predigen evidenzbasierte Medizin, aber halten an überholten Methoden fest. Fordern von Patienten Veränderung, sind aber selbst in starren Denkmustern gefangen. Zeit für einen ehrlichen Blick auf das, was Veränderung in der Schmerztherapie wirklich verhindert – und was tatsächlich funktioniert.
Wir ertasten "Blockaden", korrigieren "Fehlstellungen" und glauben an die Macht unserer Hände. Doch die Forschung zeigt andere Wirkmechanismen. Zwischen Technik-Dogmatik und Hands-off-Extremismus liegt die Wahrheit..
Kategorisierungen prägen unsere Sprache, unser Denken – und unsere Therapie. Dieser Artikel diskutiert, wie Labels uns und die Patienten begrenzen und wie eine offenere Sprachkultur neue Räume eröffnet.
Der übermäßige Einsatz von Tests in der Schmerzdiagnostik kann mehr schaden als nützen. Statt Testergebnisse zu jagen, sollten wir das Ziel unserer Tests hinterfragen und auf eine ganzheitliche, patientenzentrierte Perspektive setzen.
Der Re-Test nach einer Behandlung zeigt zwar, ob Schmerzen gelindert wurden, beweist aber nicht, dass unsere Annahme zur Ursache richtig war. Therapeuten überschätzen gerne ihren spezifischen Einfluss, während Schmerzlinderung viele Wege kennt – von neurophysiologischen Mechanismen bis zur therapeutischen Beziehung.
Wofür Wissenschaft? Wissenschaft erweitert unseren begrenzten Praxisblick über Einzelfälle hinaus und bringt uns näher an die Wahrheit – ohne persönliche Erfahrung und Intuition auszuschließen.
Die Unterscheidung zwischen echten Defiziten und normaler körperlicher Variation erfordert reflektiertes Denken in der Therapie. Statt standardisierter Ideale sollten wir Funktionalität für individuelle Anforderungen und Asymmetrien als mögliche Normalität betrachten.
21/04/2025
Reflektiertes Denken 1/3: Die Kunst des Beschreibens vs. die Fallstricke des Interpretierens.
Reflektiertes Denken erfordert die Fähigkeit, zwischen Beschreiben und Interpretieren zu unterscheiden. Während viele Therapeuten vorschnell Schlüsse ziehen und in eine "Detektiv-Mentalität" verfallen, liegt oft mehr Wert in der nüchternen Beobachtung. Eine nuancierte Denkweise akzeptiert Komplexität und Unklarheit anstatt vereinfachende Erklärungen zu suchen.
