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Viele Therapeuten erleben Wissenschaft als Angriff auf ihre Kompetenz. Dabei sind Erfahrung und Evidenz keine Gegner, sondern zwei Seiten derselben Medaille, die man nur richtig zusammensetzen muss.
Die meisten Therapieansätze fragen: Wie kriegen wir den Schmerz weg? Die Impräzisions-Hypothese stellt eine andere Frage: Wie lernt das Gehirn, ihn präziser abzuspeichern und damit aufzuhören, ihn überall zu sehen?
Krumme Haltung, schiefes Becken, falsche Knieachse.. und trotzdem kein Schmerz. Bei den meisten Menschen. Die Evidenz ist eindeutig: Biomechanische Auffälligkeiten sind selten Ursache, oft Normalzustand. Es wird Zeit, den Körper nicht mehr als Fehlerliste zu lesen.
Leid ist kein Anhängsel des Schmerzes. Es steckt bereits in ihm. Warum die emotionale Dimension von Schmerz aus der Zusatzrolle herausmuss und was das für die Therapie bedeutet.
Chronisch ist nicht gleich chronisch. In diesem Artikel beleuchte ich, warum der Mechanismus mehr zählt als der Kalender, und was noziplastischer Schmerz wirklich bedeutet. Womöglich benötigen wir eine schärfere Definition.
Wir schreiben "biopsychosozial" in jeden Befund, aber das "Sozial" bleibt Fußnote. Eine Meta-Analyse über 50 Jahre Forschung zeigt: Wir suchen die Lösung im Menschen, obwohl das Problem oft im System liegt.
Handlungen, Therapien und Schmerzen sind nicht per se gut oder schlecht, sondern erhalten ihre Wirkung erst durch Kontext, Sprache und Zielsetzung. In der Therapie wie im Alltag entscheiden Narrative, Erwartungen und Rahmenbedingungen darüber, ob etwas heilt, neutral bleibt oder schadet.
Sensibilisierung ist zunächst eine super Schutzreaktion des Körpers nach Verletzungen, die uns zur Schonung zwingt und Heilung ermöglicht. Das Problem entsteht, wenn dieser Alarm zum Dauerzustand wird und das Nervensystem auch bei harmlosen Reizen überreagiert, obwohl die ursprüngliche Gefahr längst vorbei ist...
Training funktioniert bei chronischen Schmerzen – aber nicht durch biomechanische Reparatur, sondern durch neurobiologische Desensibilisierung, Angstreduktion und Vertrauensaufbau. Warum wir aufhören müssen, Gewebe zu trainieren, und anfangen sollten, das Nervensystem zu verändern.
Der therapeutische Fortbildungsmarkt hat sich zu einem Schlachtfeld konkurrierender Konzepte entwickelt – ein Markt, der zu fragmentiertem Wissenstransfer und widersprüchlichen Patientenbotschaften führt, bei denen Marketing statt Qualität entscheidet.
Edukation gilt als Grundpfeiler evidenzbasierter Schmerztherapie. Doch zwischen gut gemeinten Erklärungen über Schmerzphysiologie und biopsychosoziale Zusammenhänge verlieren wir oft den entscheidenden Fokus: Nicht das WAS der Edukation entscheidet über ihren Erfolg, sondern das WIE, WANN und WARUM.
Wir predigen evidenzbasierte Medizin, aber halten an überholten Methoden fest. Fordern von Patienten Veränderung, sind aber selbst in starren Denkmustern gefangen. Zeit für einen ehrlichen Blick auf das, was Veränderung in der Schmerztherapie wirklich verhindert – und was tatsächlich funktioniert.
